Klangwellen zwischen Kammerorchester und Ambient-Jazz

Donauwellenreiter spielen einen faszinierend eigenständigen Sound von hoher poetischer Strahlkraft. Virtuosität mit Smartness, Leichtigkeit gepaart mit Tiefgang ermöglichen es dem Quartett, sich frei zwischen Pop-Band, Kammerorchester und Jazz-Combo zu bewegen. Dabei surfen Maria Craffonara (voc/vl), Thomas Castañeda (p) Lukas Lauermann (cello) und Jörg Mikula (drums) auf den Wellen pulsierender Songs und mächtiger Elegien aus eigener Feder – nicht mit Vorsicht sondern voller Wucht.

An den betörenden Kompositionen von Pianist Thomas Castaneda entfachen sich das berührende Spiel von Lukas Lauermann am Cello und Jörg Mikula am Schlagzeug ebenso wie die kraftvoll-inbrünstigen Stimm- und Violinklänge von Maria Craffonara. Kammermusikalisches und Minimal Music, Pop und Jazz treiben als Teile eines großen, kompakten Klangstroms daher.
Sie sind die Aufsteiger der österreichischen Szene – eine jener raren Klangperlen, wie sie wohl nur eine kulturell durchmischte Metropole wie Wien hervorbringen kann.

Im März 2020 erscheint das 4. Album „DELTA“ – Albert Hosp vom Radio Ö1:
„Geige, Cello, Klavier, Schlagzeug!

Die Besetzung ist nach wie vor keine alltägliche, auch wenn seit dem Auftauchen der Donauwellenreiter bereits einiges Wasser stromabwärts geflossen ist.

Und da der Schreiber dieser Zeilen ebenfalls nicht jünger geworden ist, mag er sich der wachsenden Assoziationen nicht erwehren.

So vieles taucht beim Hören der neuen CD der DWR im inneren Ohr auf: Die kleinen Tonfolgen, mehr Bausteine als ganze Melodien, erinnern an Klassiker des Minimalismus, wie Steve Reich oder Philipp Glass.

Manche ostinate Rhythmen scheinen dagegen von der Band Kraftwerk inspiriert.

Joe Zawinuls Jazz-Pranke hat ihre Spuren auf der Tastatur hinterlassen.

Das Augenzwinkern Mozarts, die Beharrlichkeit Schuberts, das Fließen Bach´scher Arpeggien: Alles ist fein gesponnen, es wird nicht plump zitiert, sondern leise angedeutet, auch dann noch, wenn explizit eine Verbeugung geschieht:

„Ibrahim“ verfügt über die zarten Blues-Töne des südafrikanischen Jazzers Dollar Brand alias Abdullah Ibrahim.

Die eigene kreative Kraft der DWR nimmt diese Bezüge auf und arbeitet sie ein, es sind seidene Fäden, in dem Teppich, den alle vier knüpfen.

Noch ein paar Eindrücke, aus dem Sog des Durchhörens fast willkürlich herausgegriffen:
„Relief“ ist entweder eine tönende Landschaft mit sanften Hügeln, oder klingende Erlösung – oder beides.
„Close“ zelebriert den Zauber der Enthaltsamkeit, es genügen wenige Töne, nachdenklich, verinnerlicht.
Zum Schluss dann „4K“: Ganz nahe sitzen sie beisammen, am Klavier, spielen gleichzeitig, ohne Overdubs. Sie mögen einander, anders geht das gar nicht.

Am Ende stellt sich schüchtern die Frage: Darf so viel Schönheit auf einmal sein? – Es darf. Das Wissen um die richtige Dosierung ist der Schlüssel.

Und auch wenn ich die Songs in ladinischer Sprache, die auf den früheren DWR-CDs aufleuchteten, ein wenig vermisse: „Delta“ ist rundum gelungen, wie es dem Quartett aus höchst individuellen Mitgliedern entspricht.

Im Delta kommt der Fluss an. Seit seinem Aufbruch von der Quelle ist er mächtig angewachsen. Größer wird er jetzt nicht mehr. Im Gegenteil, er löst sich auf, an seiner Mündung. Mit kräftigem Ruderschlag halten wir uns an diesem Übergang auf, den Blick aufs Meer gerichtet. Wir müssen uns nur ein wenig in die Riemen legen, gegen den Strom. Die DWR sitzen im selben Boot, also sind wir wohlauf.“ © Albert Hosp, Jänner 2020

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www.donauwellenreiter.com

Pressestimmen/Referenzen:

Deutschlandradio Kultur „Tonart“ präsentierte „Euphoria“ am 25.11.16
„Die ganz große Geste, und doch hat es einen Zauber und gewisse Abgründe dieses Album“
„Und wenn es eine Formation schafft das Maximum aus einer Melodie oder einer einfachen Akkordfolge herauszuholen dann sind es Donauwellenreiter“ (Franz X. A. Zipperer, Jazzthetik)

It is unforgetable if you listened to it once“ Jazztokyo (JPN) 2014

„Messëi groovt mit allem was die Vielvölkerstadt Wien hergibt.“ (W. Stiefele, Audio.de)

„Eine Sternstunde des Akordeonfestivals“ (Friedl Preisl, Akkordeonfestival)

„Ladinisch für Großstädter“ (Andreas Felber, Der Standard)

„Special Jury Prize“ beim Int. Festival Castelfidardo (IT) 2013

„eine unbekümmerte Melange“ Jazz thing (D) 2014

CDs: Annäherung (4tm productions); Messëi (Intuition); Euphoria, Delta Release 17.03.2020

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